
Ichwert schlägt Geld- und Sachwert
„Das Schöne im Leben ist, dass es immer irgendwie weitergeht", sagte Marius Müller-Westernhagen im Film „Theo gegen den Rest der Welt." Ich möchte ergänzen, dass es entscheidend darauf ankommt, wie man die Welt mit eigenen Augen sehen will. Fortschritt ist Fluch und Segen zugleich. Das wird nirgends deutlicher als in der Arbeitswelt. Roboter und Computer übernehmen heute Arbeiten, die noch vor einigen Jahren von Arbeitern und Angestellten erledigt wurden. Diese Entwicklung ist normal und alles andere als bedrohlich. Denn schon seit der Steinzeit werden Arbeitsprozesse rationalisiert und effizienter. Sehr zur Freude der arbeitenden Bevölkerung. Es liegt eben nicht in der Natur des Menschen, stupide sich wiederholende Knochenarbeit leisten zu müssen. Seien wir doch ehrlich. Wer unter Ihnen ist bereit, viele der Arbeiten, die unsere Großeltern verrichten mussten, heute noch anzunehmen? Es wird sich wohl niemand finden.
Hören wir doch auf, am Untergang des Abendlandes festhalten zu wollen. Arbeit wird immer kreativer, ganzheitlicher, kommunikativer und natürlich auch fordernder. Letzteres aber ist genau das Problem. Es ist noch immer so herrlich bequem, am Alten festzuhalten, statt die sich bietenden Chancen zu nutzen. Schon der ehemalige deutsche Bundespräsident, Roman Herzog, mahnte in seiner viel beachteten Berliner Rede im Hotel Adlon am 26. April 1997:
„Die einfache Wahrheit ist heute doch: Niemand darf sich darauf einstellen, in seinem Leben nur einen Beruf zu haben. Ich fordere auf zu mehr Flexibilität! In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts werden wir alle lebenslang lernen, neue Techniken und Fertigkeiten erwerben und uns an den Gedanken gewöhnen müssen, später einmal in zwei, drei oder sogar vier verschiedenen Berufen zu arbeiten."
Leider blieb es bei dieser Feststellung. Der Ruck, der durch das Land gehen sollte, blieb aus. Aus überzogenem Sicherheitsdenken halten viele an ihren alten Programmen fest und wundern sich, dass sich nichts verändert. „... Nimm gleich den von nebenan, denn der ist bei der Bundesbahn ... Da hast du doch deine Sicherheit. Denk doch mal an die schöne Pension bei der Bundesbahn ...", so heißt es in dem Lied „Ich will einen Cowboy als Mann" von der Sängerin Gitte. Selbst in der Musik, die uns Menschen von den Sorgen des Alltags ein wenig ablenken sollte, findet sich der Wunsch nach Sicherheit. Diese Sicherheit ist vielen heilig. Deshalb bewegen wir uns meistens - und viele Menschen ein Leben lang - nur in unserer so genannten Komfortzone. Diese Zone umgibt uns wie ein Käfig. Hier fühlen wir uns wohl, geborgen und vor allen Dingen sicher. Denn wir glauben, hier die Lebensumstände zu kennen. So wissen wir, wie unser Leben funktioniert. Wir haben auf alle Fragen eine Antwort. Fragen nach dem Warum, Wozu, Wieso, Wo, Wann, Wie, Was etc. pp. können so einfach beantwortet werden. Was so paradiesisch klingt, hat einen gewaltigen Haken. Es findet so kein persönliches Wachstum statt. Alles in der Welt ist auf Wachstum ausgelegt. Die Natur genauso wie die Wirtschaft. Wir Menschen hören ab einem bestimmten Alter auf, körperlich zu wachsen, nicht aber unser Wissen. Das menschliche Wissen verdoppelt sich alle fünf bis sieben Jahre. Um den Anschluss an diese Entwicklung nicht zu verpassen, ist es so wichtig, ständig die Komfortzone zu erweitern. Wissen ist noch immer der beste Rohstoff und die einzige Ressource, die sich bei Gebrauch vermehrt! Wer nicht bereit ist, sein Wissen zu erweitern, wird buchstäblich „dumm sterben".
Schon Wilhelm Busch mahnte: „Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss." Man kann nur persönlich wachsen, erfolgreicher werden und selbstbewusster, wenn man bereit ist, den berühmt berüchtigten Blick über den Tellerrand zu wagen. Das kostet allerdings nicht nur viel Kraft, es ist überdies auch noch sehr schmerzhaft. Neues zu wagen und Altes hinter sich zu lassen, das ist alles andere als einfach, aber „ganz sicher" doch zu schaffen!
Gewohnheiten und Programme bestimmen unsere Komfortzone, in der wir uns sicher fühlen. Das heißt aber nicht, dass wir uns damit auch wohlfühlen. Diese Sicherheit wird letztlich dadurch bestimmt, was uns vertraut ist, eben durch das, was wir gewohnt sind. So wissen Arbeitnehmer, wie viel Geld sie im Monat verdienen. Damit haben sie eine verlässliche Größe, mit der sie rechnen können. Das schafft Sicherheit. Es sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Geld reicht, alle Wünsche zu befriedigen. Mit einer anderen Arbeit oder mit einem Zusatzverdienst könnten eben diese Wünsche befriedigt werden. Dazu ist es allerdings erforderlich, die Komfortzone zu verlassen. Die Erfolge liegen außerhalb dieser Zone, in der so genannten Wachstumszone. In der Komfortzone zu verharren heißt immer, auch die Zukunft aufs Spiel zu setzen. Herausforderungen sind nur zu meistern durch Vertrauen in sich selbst. Man(n) muss sich buchstäblich etwas trauen, um sein Leben positiv zu verändern.
Die Komfortzone hat natürlich auch Vorteile. Aus unserem Verhalten entwickelt sich eine Routine, die es uns gestattet, ohne großes Nachdenken Dinge schnell abzuwickeln. Wir entlasten dadurch unseren Kopf, den wir dann wieder für andere Dinge benötigen können. Ohne diese Routine würden wir den Alltag nicht mehr meistern können. Allerdings birgt die Routine die Gefahr in sich, dass wir mitunter gar nicht mehr wissen, was wir tun. Wer weiß schon, in welche Richtung er zuerst den Schnürsenkel umschlagen muss, um seine Schuhe zu schnüren? Wissen Sie, ohne nachzudenken, wie Sie Messer und Gabel halten? Sie wissen es ganz bestimmt, wenn Sie es tun. Sie greifen routiniert zum Besteck, sobald das Essen auf dem Tisch steht. Keine Sekunde werden Sie daran zweifeln, das Richtige zu tun.
Doch Vorsicht, auch die Routine hat so ihre Tücken. Denn die meisten Arbeitsunfälle passieren nicht durch Unwissenheit, sondern durch Routine. Die Betroffenen gaben später zu Protokoll, dass sie die erforderlichen Handlungen über Jahre vollzogen hatten, ohne noch nachdenken zu müssen. Sie gaben sich anderen Gedanken hin und vergaßen darüber die „routinierten" Arbeitsschritte. Mit unserer Einstellung zum Leben verhält es sich ähnlich. Statt darüber nachzudenken, ob das Leben noch weitere interessante Herausforderungen parat hält, halten viele an ihrem alt bekannten Leben fest, auch wenn sie es sich schön reden müssen. Das dadurch entstehende Desinteresse führt zwangsläufig in eine Schieflage. Routiniert wird der Alltag bewältigt, ohne Höhen und Tiefen. Die Lebensfreude bleibt immer öfter auf der Strecke.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Entdecken Sie Parallelen zu Ihrem Leben oder haben Sie Ihre Komfortzone bereits verlassen, um zu neuen Ufern aufzubrechen? Geld, das hat die Finanzkrise gezeigt, bietet Ihnen keine Sicherheit. Einzig Ihre Bereitschaft, Ihr Talent einzusetzen und mutig voranzugehen, sichert Ihr Einkommen. Reizt es Sie, Neues zu entdecken, oder sind Sie mit Ihrem Leben so, wie es derzeit verläuft, zufrieden? Stillstand ist Rückschritt. Leben bedeutet Veränderung und die Bereitschaft, Neues zu wagen. Gehen Sie den ersten Schritt.
Aristoteles S. Onassis: "Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muß ihm entgegenkommen."
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