
Sind Aktien noch sicher?
Ja und Nein! Wenn in einem Jahrzehnt die Börsen zweimal hintereinander dramatische Verluste verkraften mussten, kann niemand mehr ernsthaft behaupten, Aktien seien sicher. Solange Menschen im Spiel sind, solange ist alles möglich. Früher war die Börse ein Ort, wo sich Kapital und Ideen trafen. Mittellose Erfinder stießen hier auf wagemutige Kaufleute, die mit ihrem Geld eine Erfindung zur Marktreife verhalfen. Somit verdienten beide. Heute ist die Börse ein Ort des Wettens, weil Geld selbst zur Handelsware geworden ist. Und genau das macht die Börse so anfällig. Trotz dieser Probleme geht es auch nicht ohne Aktien. Keine andere Anlageform belohnt Anleger für ihren Mut so sehr wie die Aktie. Deshalb verteidige ich eine zentrale Botschaft, die Ihr Aktienrisiko nicht ausschaltet, es aber deutlich senkt: „Investieren Sie Ihr Geld immer nur dann in Aktien, wenn Sie nicht zu einer bestimmten Zeit über Ihr Geld verfügen müssen."
Wenn Sie Ihr Kapital langfristig anlegen, können Sie die Probleme an den Finanzmärkten buchstäblich aussitzen. Wer aber kurzfristig über sein Erspartes verfügen muss, den trifft eine solche Krise hart, weil er unter Umständen Geld zu einer Zeit aus den Aktien herausnehmen muss, wo die Kurse am Boden liegen.
Natürlich wissen viele Anleger um die Bedeutung solcher einfachen Regeln, doch spielt ihnen die menschliche Psyche immer öfter einen Streich. Verluste werden in ihrer Wirkung doppelt so hoch wahrgenommen, wie Gewinne. Deshalb neigen wir Menschen dazu, uns zu stark auf die Verluste zu konzentrieren, und zwar so stark, dass wir Entscheidungen treffen, die völlig falsch sind. Aber weil wir nun einmal mehr von Emotionen und weniger von Fakten geleitet werden, entstehen erhebliche Verluste.
Verschiedene Versuche beweisen diese These - leider! Die US-Forscher Camelia Kuhnen und Brian Knutson maßen die Hirnstörme von Menschen, als diese gerade Investitionsentscheidungen treffen mussten. Dafür lagen die Teilnehmer in einer Röhre (Magnetresonanz-Tomographie). Während der Aufnahmen sollten die Teilnehmer Anlageentscheidungen treffen. Hierzu erhielten sie via Bildschirm verschiedene Anlageoptionen. Mit jedem „Testlauf" hatten sie zu wählen zwischen Aktien und einer festverzinslichen Anleihe. Die Anleihe warf immer einen Dollar ab. Bei den Aktien verhielt es sich anders. Die eine Aktie brachte mit hoher Wahrscheinlichkeit zehn Dollar Gewinn und mit niedriger Wahrscheinlichkeit zehn Dollar Verlust, bei der anderen verhielt es sich umgekehrt. Welche der Aktien die gute war, mussten die Spieler selbst herausfinden. Erst nach einigen Testläufen konnte man dies halbwegs sicher sagen. Deshalb wäre es rational gewesen, bis dahin die Anleihe zu wählen und dann die gute Aktie.
In der Röhre an der kalifornischen Stanford-Universität ließ sich nun ablesen, was in den Köpfen vieler Anleger vorgeht. Scheuten sie das Risiko und kauften die Anleihe, war in der Regel eine Hirnregion aktiv, die mit Verlustangst und generell mit Furcht und Ekel verbunden wird. Gingen die Probanden dagegen ins Risiko indem sie Aktien kauften, bevor sie deren Wert einigermaßen sicher einschätzen konnten, zeigte sich vor allem eine Hirnregion, die allgemein Erregung und Verlangen signalisiert. Somit wurde deutlich, dass Gefühle eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für oder gegen Aktien spielen. Das Problem liegt nun darin, dass die Gefühle für den Augenblick aufflackern, während das Ergebnis einer Anlageentscheidung immer erst in der Zukunft sichtbar wird. Niemand kann heute sagen, wie sich der Kurs einer Aktie entwickeln wird. In dieser zwiespältigen Situation muss der Anleger eine richtige Entscheidung treffen und das ist mit Sicherheit alles andere als leicht.
Der Psychologe Daniel Gilbert sagte es so treffend: „Der Mensch ist das einzige Tier, das in die Zukunft denkt." Und genau das ist vielfach ein Problem für uns, wie ein Beispiel aus der Welt des Geldes zeigt. Der US-Psychologe Daniel Kahneman erhielt 2002 den Nobelpreis für Ökonomie, und zwar für seine Forschungen im Bereich „Behavioral Finance" (= verhaltenstheoretische Erklärungsansätze bei ökonomischen Entscheidungen), mit denen der Forscher das Herdenverhalten bei Investmententscheidungen auf spezielle Gehirnaktivitäten zurückführen konnte. Dazu schob auch Kahneman seine Probanden in einen Kernspintomografen. In dieser Situation wurden ihnen Fragen zu Geldanlagen gestellt. Eine Frage lautete z.B.: „Hätten Sie lieber 100 Dollar jetzt oder 110 Dollar in vier Monaten?" Zwischen solchen einfachen Fragen wurden auch knifflige Fragen gestellt. Der Kernspintomograf maß dabei, welche Bereiche des Gehirns bei der Beantwortung bestimmter Fragen besonders aktiv waren. Es kam hier zu überraschenden Ergebnissen. Wenn sich der Proband für eine sofortige Geldauszahlung entschied, war besonders das Kleinhirn aktiv. Dieser evolutionsgeschichtlich sehr alte Gehirnteil ist auch bei Reptilien vorhanden. Das bewusste Denken, für das das Großhirn verantwortlich ist, wurde nur dann aktiviert, wenn der Proband sich für eine spätere Geldannahme entschied. Somit lässt sich aus dieser Studie Folgendes festhalten:
Ein Großteil des Investmentverhaltens wird von Mechanismen gesteuert, die aus einer Zeit stammen, als es nur um eines ging, ums Fressen und Gefressenwerden.
Mit anderen Worten: Die alten Verhaltensmuster Kampf, Flucht oder Angriff beeinflussen die Menschen bis heute. Das mag für bestimmte Situationen auch ganz hilfreich sein, aber bei Geldentscheidungen ist dieses Verhaltensmuster absolut kontraproduktiv. Erfahrene Kapitalanleger haben durch dieses Experiment endlich die Bestätigung erhalten, dass 90 Prozent des Anlageerfolgs darin bestehen, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten und wie schwer das ist, verdeutlicht folgende Situation.
In Ihrer Stadt haben zwei neue Pizzerien eröffnet. Zu allem Unglück, jedenfalls aus Sicht der Inhaber, liegen die beiden Restaurants direkt nebeneinander. Eines Abends, Sie sitzen gerade vor dem Fernseher, da knurrt Ihr Magen so laut, dass Sie dringend etwas zu essen brauchen. Der Kühlschrank ist leer, und auch im Küchenschrank herrscht gähnende Leere, sodass Sie sich zu Fuß auf den Weg zu einer der beiden neu eröffneten Pizzerien machen. Dort angekommen, stellen Sie fest, dass beide Restaurants zwar geöffnet haben, doch in keinem der beiden Lokale sitzt ein Gast. In welches Restaurant werden Sie gehen? Eine sehr schwierige Frage. Sie kennen keines der Lokale. Die Kochkünste der beiden Köche sind Ihnen gänzlich unbekannt. Beide Restaurants machen rein äußerlich insgesamt einen gepflegten Eindruck. Ihr knurrender Magen erinnert Sie daran, jetzt eine Entscheidung zu treffen. Genau das passiert und Sie gehen spontan in das linke Lokal. Der nächste unschlüssige Besucher hat es jetzt viel einfacher. In der Regel wird er in das von Ihnen ausgewählte Restaurant gehen. Warum ist das so? Nun, diese Entscheidung läuft unbewusst ab. Wir nehmen automatisch an, dass es einen bestimmten Grund gegeben haben muss, warum der andere diese und keine andere Wahl getroffen hat. Deshalb folgen wir ihm wie ein Lemming. Der dritte unschlüssige Gast, der auf die gleiche Situation trifft, wird nun ebenfalls „unser" Lokal betreten, weil ja bereits zwei Gäste an den Tischen sitzen, während im anderen Lokal noch immer keine Gäste anzutreffen sind. Am Ende sitzen alle nur in der einen Pizzeria, und das nur, weil alle sich in ihrer Entscheidung vom Verhalten der anderen beeinflussen ließen. Über die Qualität des Restaurants sagt das aber gar nichts aus. Der Restaurantbesitzer, den wir am Anfang dieser Kette mieden, indem wir zu seinem Nachbarn gingen, steht buchstäblich mit leeren Händen da. Obwohl er vielleicht sogar besser kochen kann als sein Nachbar und seine Preise günstiger sind, bleiben die Gäste aus.
Anleger und Sparer erleben vergleichbare Situationen. Nur weil das Gros der Sparer eine bestimmte Form der Kapitalanlage zeichnet, muss sie nicht zwangsläufig besser sein als vergleichbare. Doch weil alle sie zeichnen, wird der Laie es auch tun. Vermögende Zeitgenossen lassen sich nicht durch andere beeinflussen. Sie treffen Entscheidungen, nachdem sie sich ein eigenes Bild gemacht und alles Für und Wider abgeklärt haben. Ganz im Sinne einer alten jüdischen Weisheit: „Die Masse verliert immer, nur eine Minderheit gewinnt."
Aristoteles S. Onassis: "Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muß ihm entgegenkommen."
Kostenloser 118-seitiger Thomas Haak-Report zur monetären Lage der Nation (Wert: € 19,95) für Sie:
Lesen und lernen Sie u. a.:
- Warum das Geld nichts mehr
wert ist
- Warum es so wichtig ist, sich
mehr ums sein Geld zu kümmern
- Warum nur noch Sachwerte
Sicherheit bieten
- Warum Aktien die
Krisengewinner sind
- Warum u. a. Gold wichtig ist
- Warum die Politik nicht die
Wahrheit sagt
- Warum es so wichtig ist, das
Leben JETZT zu genießen
- Wie Sie ein passives Ein-
kommen aufbauen